Einer neuen Studie an Mäusen zufolge kann eine ballaststoffreiche Ernährung wichtige Immunzellen verjüngen, die für die Krebsbekämpfung verantwortlich sind. Die in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlichte Studie legt nahe, dass Darmmikroben eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Wirksamkeit dieser Zellen spielen und Ballaststoffe der Schlüssel zur Erschließung dieser Vorteile sind.
Das Immunsystem und Krebs: Ein Kampf der Ausdauer
Das Immunsystem ist von zentraler Bedeutung für die körpereigene Abwehr gegen Krebs. CD8+ Killer-T-Zellen sind Frontsoldaten, die Krebszellen angreifen und eliminieren. Allerdings ermüden diese Zellen, wie jeder Krieger, nach wiederholten Angriffen und verlieren ihre Fähigkeit, Tumore wirksam anzugreifen. Daher sind Behandlungen zur Wiederherstellung der Kräfte sehr gefragt.
Darmmikroben: Die unbesungenen Verbündeten
Forscher der Universität Melbourne unter der Leitung von Dr. Sammy Bedoui entdeckten, dass das Darmmikrobiom – die Ansammlung mikrobieller Arten im Verdauungstrakt – die Langlebigkeit und Wirksamkeit dieser T-Zellen beeinflusst. Ihre erste Forschung, die sich über fast ein Jahrzehnt erstreckte, ergab, dass Mäuse, denen Darmmikroben fehlten, einen raschen Rückgang der T-Zell-Funktion erlebten.
Die Rolle kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs)
Als entscheidendes Bindeglied identifizierte das Team kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), insbesondere Butyrat. Wenn Ballaststoffe den Dickdarm erreichen, werden sie von Darmbakterien fermentiert und SCFAs freigesetzt. Es wurde festgestellt, dass Butyrat erschöpfte T-Zellen verjüngt und ihre Fähigkeit wiederherstellt, Tumore aufzuspüren und zu zerstören.
Studienergebnisse: Ballaststoffe verlangsamen das Fortschreiten des Krebses
In Experimenten mit Mäusen, die Melanome trugen, zeigten diejenigen, die eine ballaststoffreiche Diät erhielten, ein langsameres Fortschreiten des Krebses und kleinere Tumoren im Vergleich zu denen, die eine ballaststoffarme Diät erhielten. Dieser Effekt war von der Anwesenheit funktionsfähiger T-Zellen abhängig, da Mäuse, denen diese Zellen fehlten, nicht von der ballaststoffreichen Diät profitierten.
Spezialisierte T-Zellen in Lymphknoten
Die ballaststoffreiche Ernährung führte zu einem Anstieg spezialisierter T-Zellen in den Tumor-drainierenden Lymphknoten – Zwischenstationen, in denen sich T-Zellen sammeln, bevor sie Tumore angreifen. Diese Zellen trugen Proteine, die auf eine verbesserte Fähigkeit zur Krebsbekämpfung hinweisen, einschließlich der Fähigkeit, über längere Zeiträume im Körper aktiv zu bleiben.
Eine gemeinsame Anstrengung: Die Kraft mikrobieller Aktivität
Im Gegensatz zu früheren Studien, die sich auf einzelne Bakterienarten konzentrierten, betont diese Forschung die kollektive Aktivität von Darmmikroben als treibende Kraft. Es kommt nicht darauf an, wer im Darm vorhanden ist, sondern was sie tun – insbesondere die Produktion von SCFAs durch Ballaststofffermentation.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine einfache Ernährungsumstellung – eine Erhöhung der Ballaststoffaufnahme – möglicherweise die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers gegen Krebs stärken könnte. Während weitere Forschung erforderlich ist, um diese Effekte beim Menschen zu bestätigen, liefert die Studie überzeugende Beweise für die entscheidende Rolle des Darmmikrobioms bei der Immunfunktion und der Krebsbekämpfung
