Hawaii-Hai beißt im Oktober in die Höhe: Die Biologie hinter „Sharktober“

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Eine neue Studie bestätigt einen seit langem beobachteten Trend: Die Zahl der Haibisse auf Hawaii nimmt im Oktober deutlich zu. Dieses Phänomen, das von manchen als „Sharktober“ bezeichnet wird, ist kein Zufall. Untersuchungen deuten darauf hin, dass dies auf den Fortpflanzungszyklus der Tigerhaie zurückzuführen ist, die in diesem Monat in hawaiianische Gewässer wandern, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen.

Die Daten und die Arten

Im Laufe von drei Jahrzehnten (1995–2024) wurden auf Hawaii 165 unprovozierte Haibisse registriert. Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) waren für fast die Hälfte (47 %) dieser Vorfälle verantwortlich. Weitere 33 % stammten von unbekannten Arten, die restlichen 16 % wurden Requiemhaien zugeschrieben. Allein auf den Oktober entfallen etwa 20 % aller Bisse – zwei- bis viermal mehr als in jedem anderen Monat. Entscheidend ist, dass im Oktober mindestens 63 % der Bisse auf Tigerhaie zurückzuführen sind.**

Dieser Zeitpunkt steht nicht im Zusammenhang mit einer erhöhten menschlichen Aktivität im Wasser; Vielmehr stimmt es mit der Migrations- und Brutzeit der Tigerhaie überein. Laut Meeresbiologen reisen große erwachsene Weibchen im Oktober vom Nordwestpazifik an die Küste Hawaiis, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen.

Warum Oktober? Fortpflanzung und Genesung

Tigerhaie sind ovovivipar, das heißt, sie schlüpfen im Inneren ihrer Eier und ernähren sich von Embryonen außerhalb des Dottersacks. Nach einer Tragzeit von 15 bis 16 Monaten bringen die Weibchen in der Regel etwa 30 Junge zur Welt. Dieser Prozess ist energetisch anspruchsvoll. Die zunehmende Präsenz großer, schwangerer und frisch geborener Haie in Küstennähe zwingt sie, aktiv nach Nahrung zu suchen, um Energie zurückzugewinnen.

Während die Unabhängigkeit der Welpen bedeutet, dass Mütter ihre Jungen nicht schützen, erhöht die erhöhte Dichte großer Haie in flachen Gewässern das Bissrisiko. Andere Faktoren, wie die saisonale Verfügbarkeit von Beutetieren, könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

Globale Trends und Risikobewertung

Der Anstieg im Oktober ist spezifisch für Hawaii und Tigerhaie, aber ähnliche saisonale Muster gibt es wahrscheinlich auch anderswo. Weltweit sind Weiße Haie, Tigerhaie und Bullenhaie für die meisten unprovozierten Bisse verantwortlich. Die jüngsten Vorfälle in der Nähe von Sydney, Australien, stehen im Zusammenhang mit der sommerlichen Brutzeit der Bullenhaie auf der Südhalbkugel.

Obwohl die Zahl der Bisse weltweit steigt (von 157 in den 1970er Jahren auf 803 zwischen 2010 und 2019), bleibt das Gesamtrisiko gering. Experten legen Wert auf Aufmerksamkeit statt Alarm und raten zur Vorsicht bei Alleinaktivitäten wie Surfen in der Hochsaison.

„Die wichtigste Implikation ist Bewusstsein, nicht Alarm. In diesem Monat ist besondere Vorsicht geboten, insbesondere bei risikoreichen Alleinaktivitäten wie Surfen oder Schwimmen in Küstengebieten.“ – Carl Meyer, Meeresbiologe.

Die Studie bestärkt die Idee, dass das Verhalten von Haien oft von ökologischen Faktoren und nicht von zufälliger Aggression bestimmt wird. Das Verständnis dieser Muster ist sowohl für den Naturschutz als auch für die öffentliche Sicherheit von entscheidender Bedeutung.