Die versteckten CO2-Kosten der „grünen“ Kryptowährung: Der Fall des Chia-Netzwerks

20

Während viele Kryptowährungsprojekte versuchen, sich vom massiven Energieverbrauch von Bitcoin zu distanzieren, deuten neue Forschungsergebnisse darauf hin, dass „grüne“ Alternativen möglicherweise erhebliche Umweltkosten verbergen. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass Chia Network, eine führende umweltfreundliche Krypto-Alternative, bis zu 18-mal mehr Energie verbrauchen könnte, als seine Entwickler ursprünglich behaupteten.

Die Mechanismen des „grünen“ Bergbaus

Um zu verstehen, warum diese Diskrepanzen bestehen, muss man sich die Funktionsweise verschiedener Blockchains ansehen:

  • Proof of Work (Bitcoin): Diese Methode erfordert enorme Rechenleistung, um komplexe mathematische Rätsel zu lösen. Dieser Prozess ist bekanntermaßen energieintensiv: Bitcoin verbraucht jährlich etwa 157 Terawattstunden – vergleichbar mit dem Energieverbrauch Polens.
  • Beweis von Raum und Zeit (Chia): Anstelle reiner Rechenleistung nutzt Chia „Plotten“ und „Landwirtschaft“. Beim Plotten werden Prozessoren und Speicher zum Erstellen von Datendateien verwendet, beim Farming werden die Daten auf Festplatten gespeichert, um das Netzwerk zu sichern.

Durch die Abkehr von ständigen, hochintensiven Berechnungen wurde Chia als viel nachhaltigere Option für die Blockchain-Industrie vermarktet.

Das fehlende Glied: Verkörperter Kohlenstoff

Die von Forschern der Hochschule für Informatik und digitale Technologien in Algerien festgestellte Diskrepanz ist auf einen Faktor zurückzuführen, der bei Energieaudits oft übersehen wird: körperliche Emissionen.

Als Soraya Djerrab und ihr Team ihre Analyse mit präzisen Wattmetern durchführten, stellten sie fest, dass die tatsächliche Umweltbelastung nicht nur den Strom umfasst, der für den Betrieb der Maschinen verbraucht wird, sondern auch die Energie, die für die Herstellung der Hardware selbst erforderlich ist.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie gehören:

  • Hardware-Verschlechterung: Die „Plot“-Phase ist äußerst intensiv und verschleißt Solid-State-Laufwerke (SSDs) viel schneller als erwartet. Forscher schätzen, dass die Erstellung von nur 160 Diagrammen eine brandneue SSD zerstören könnte.
  • Die CO2-Lücke: Während Chia einen jährlichen CO2-Fußabdruck von 50.000 Tonnen angibt, beziffert die Studie die tatsächliche Zahl auf 0,584 bis 1,402 Millionen Tonnen.
  • Auswirkungsmaßstab: Auch bei diesen höheren Werten bleibt Chia weniger energieintensiv als Bitcoin, aber seine Emissionen sind zwei Größenordnungen größer als bei Mainstream-Blockchains wie Ethereum.

„Hauptsächlich handelt es sich um verkörperte Emissionen“, erklärt Djerrab. „Um Chia nutzen zu können, müssen die Leute Hardware kaufen. Wenn man sie kauft, wird für ihre Herstellung Energie verbraucht. Chia hat dies bei der Berechnung der verbrauchten Energie nicht berücksichtigt.“

Die Industrieverteidigung

Gene Hoffman, CEO von Chia Network, räumt ein, dass die Zahlen der Forscher „nicht völlig daneben liegen“, argumentiert jedoch, dass sie ein unvollständiges Bild des Lebenszyklus des Netzwerks vermitteln.

Hoffman behauptet, dass Chias „Landwirtschafts“-Phase tatsächlich eine Kreislaufwirtschaft fördert, indem alte Festplatten aus Rechenzentren verwendet werden, die sonst auf Mülldeponien landen würden. Aus seiner Sicht gibt das Netzwerk „ausrangierter“ Hardware ein zweites Leben und gleicht so einen Teil der Umweltkosten der Herstellung neuer Geräte aus.

Mit Blick auf die Zukunft bereitet sich das Unternehmen darauf vor, in zwei Monaten Proof of Space 2.0 auf den Markt zu bringen, ein Protokoll-Update, das das Netzwerk weiter optimieren und seine Gesamtemissionen reduzieren soll.

Fazit

Die Debatte um Chia verdeutlicht eine entscheidende Herausforderung für die Zukunft des digitalen Finanzwesens: Mit der Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie muss die Branche über den bloßen Stromverbrauch hinausblicken und die gesamten Auswirkungen der Hardware auf den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen, die zu ihrer Aufrechterhaltung erforderlich ist.